Historisches

Brennus

Um 390 v. Chr. überquerte der keltische Stamm der Senonen unter der Führung von Brennus die Alpen. Er besetzte die Po-Ebene und stieß weiter nach Mittelitalien vor. Auf der Suche nach neuem Siedlungsland belagerten die Kelten die etruskische Stadt Clusium (heute Chiusi). Die Etrusker, mit der Wucht der keltischen Kriegsführung überfordert, baten die aufstrebende Macht Rom um diplomatische Vermittlung. Der römische Senat schickte drei Gesandte aus dem einflussreichen Adelsgeschlecht der Fabier nach Clusium. Ihre Aufgabe war es eigentlich, als neutrale Mediatoren zu verhandeln. Doch anstatt Diplomatie zu betreiben, begingen die Fabier einen massiven Bruch des damals heiligen Völkerrechts: Als es vor den Toren Clusiums zu einem Gefecht zwischen Kelten und Etruskern kommt, greifen die römischen Gesandten aktiv in die Kämpfe ein. Einer der Fabier tötet dabei einen keltischen Häuptling und wird beim Plündern der Leiche von den Kelten erkannt.  Brennus war über diesen eklatanten Verstoß gegen die diplomatische Immunität und Neutralität zutiefst erzürnt. Er brach die Belagerung von Clusium sofort ab. Zuvor sandte er jedoch Botschafter nach Rom und forderte die Auslieferung der Fabier, um sie nach keltischem Recht zu bestrafen. Der römische Senat stand vor einer Zerreißprobe. Obwohl viele Senatoren die Schuld der Fabier erkannten, weigerte sich die römische Volksversammlung aus purem Hochmut, die Adligen auszuliefern. Im Gegenteil: Die schuldigen Fabier wurden für das folgende Jahr sogar zu militärischen Befehlshabern (Tribuni Militum) gewählt. Für Brennus war dies eine unentschuldbare Kriegserklärung. Das gesamte keltische Heer zog im Eilmarsch nach Süden um Rache zu nehmen. Völlig unvorbereitet hob Rom nun seinerseits  ein hastiges Bürgerheer aus. Am Flüsschen Allia prallten die beiden Heere aufeinander. Die Schlacht endete in einer der schwersten militärischen Katastrophen Roms. Nachdem die Kelten unter Brennus die römische Armee überrannt hatten, drangen sie in die Stadt Rom ein und plünderten sie. Die überlebenden Römer verschanzten sich auf dem steilen Kapitolshügel. Da die Kelten die Festung trotz monatelanger Belagerung nicht einnehmen konnten, hungerten sie die Verteidiger aus. Gleichzeitig litten die Kelten jedoch unter Seuchen. Beide Seiten einigten sich schließlich auf Verhandlungen. Rom handelte einen Friedensvertrag aus. Die Bedingung von Brennus war hart: Die Römer mussten die astronomische Summe von 1.000 Pfund Gold zahlen, damit die Kelten abzogen. Auf dem Forum Romanum stellten die Kelten eine Waage auf, um das Gold abzuwiegen. Die römischen Tribunen bemerkten jedoch schnell, dass die Kelten gefälschte, schwerere Gewichte benutzten, um den Römern noch mehr Gold abzupressen. Sie protestierten lautstark gegen diesen offensichtlichen Betrug. Als die Römer sich weigerten, das zusätzliche Gold aufzulegen, trat Brennus an die Waage. Statt die Gewichte zu korrigieren, schnallte er sein schweres Eisenschwert samt Vasiere (Gürtel) ab und warf es spöttisch mit auf die Seite der Gewichtsstücke. Auf die empörte Frage der Römer, was das bedeuten solle, rief Brennus die historischen Worte: „Vae victis!“ – „Wehe den Besiegten!“ Dies bedeutete: Wer den Krieg verliert, hat kein Recht auf Fairness; das Recht des Stärkeren zählt.

Boiorix

Boiorix war der einflussreichste König und oberste Heerführer des germanischen Stammes der Kimbern während der verheerenden Kimbernkriege gegen die Römische Republik. Er führte sein Volk auf der jahrzehntelangen Suche nach neuem Siedlungsland von der Nordseeküste (Jütland) bis tief nach Südeuropa. Über seine Person sind aus den antiken römischen Quellen (unter anderem bei Plutarch, Florus und Livius) vor allem seine militärischen Schlüsselmomente und sein dramatisches Ende überliefert. Historisch auffällig ist bereits sein Name: „Boiorix“ stammt linguistisch aus dem Keltischen und bedeutet übersetzt so viel wie „König der Boier“ oder Dies gilt in der Forschung als starkes Indiz dafür, dass die proto-germanische Jastorf-Kultur (aus der die Kimbern stammten) auf ihrer Wanderung intensiven Kontakt mit keltischen Stämmen wie den Boiern pflegte und sprachliche Elemente übernahm. Unter der Führung von Boiorix feierten die Kimbern ihren größten und folgenreichsten militärischen Erfolg. In der Schlacht bei Arausio (beim heutigen Orange in Südfrankreich) trafen sie auf zwei römische Heere. Aufgrund von internen Streitigkeiten und Hochmut der römischen Kommandeure (Caepio und Maximus) gelang Boiorix ein vernichtender Sieg. Rom verlor schätzungsweise bis zu 80.000 Soldaten – es war die schwerste militärische Niederlage der Republik seit der Schlacht von Cannae gegen Hannibal. Nachdem die Kimbern jahrelang durch Spanien und Gallien gezogen waren, drangen sie über die Alpen in die Po-Ebene ein. Dort stellte sich ihnen der römische Feldherr Gaius Marius mit seinen neu reformierten Legionen entgegen.

Gaius Marius

Gaius Marius (157–86 v. Chr.) war einer der bedeutendsten Feldherren und Staatsmänner der späten römischen Republik. Er ging als „Dritter Gründer Roms“ in die Geschichte ein, da er das Imperium vor der Vernichtung durch die Germanen rettete. Als sogenannter Homo novus („neuer Mann“ – der Erste seiner Familie, der es in den Senat schaffte) durchbrach er die Vorherrschaft des alten Adels und bekleidete das höchste Amt des Konsuls siebenmal, was bis dahin absolut beispiellos war. Seine Macht beruhte auf drei großen Säulen: Die Marianische Heeresreform (um 107 v. Chr.) Um den akuten Mangel an Soldaten für die Kriege in Afrika und Gallien zu beheben, krempelte Marius das römische Militärwesen komplett um. Öffnung für die Besitzlosen: Er schaffte die Zensuswahl ab. Nun durften auch die Ärmsten (proletarii) freiwillig in die Armee eintreten. Der Staat stellte die Ausrüstung. Das Berufsheer: Aus der alten Bürger-Miliz wurde ein stehendes Berufssoldatentum mit einer Dienstzeit von 20 Jahren. Die Soldaten erhielten einen festen Sold und nach ihrer Entlassung ein Stück Land zur Altersversorgung.Die „Maultiere des Marius“ (Muli Mariani): Um den Tross (Gepäckwagen) zu verkleinern und die Marschgeschwindigkeit massiv zu erhöhen, mussten die Legionäre ihre gesamte Ausrüstung, Waffen, Schanzwerkzeuge und Rationen selbst auf dem Rücken tragen. Die Kohorte und der Adler: Er standardisierte die Taktik (Einführung der Kohorte als feste Einheit) und machte den silbernen Adler (Aquila) zum universellen Feldzeichen jeder Legion, was den Korpsgeist massiv stärkte.  Retter Roms im Zimbernkrieg (104–101 v. Chr.)Nachdem die Germanen (Kimbern und Teutonen unter Boiorix) mehrere römische Armeen (u. a. bei Arausio) vernichtet hatten, herrschte in Rom nackte Panik. Der Senat brach die Gesetze und wählte Marius mehrere Jahre hintereinander zum Konsul, damit er die Krise bewältigte.Marius nutzte die Zeit, um seine neuen Legionen erbarmungslos zu drillen (u. a. am Rhonekanal, den er von seinen Soldaten graben ließ). Seine Strategie ging perfekt auf: 102 v. Chr. (Schlacht von Aquae Sextiae): Er rieb das Heer der Teutonen in Südfrankreich fast vollständig auf. 101 v. Chr. (Schlacht von Vercellae): Gemeinsam mit Catulus vernichtete er die Kimbern unter Boiorix auf den Raudischen Feldern. Rom war gerettet; Marius feierte einen gigantischen Triumphzug. Marius' größte Stärke – die Bindung der Soldaten an ihren Feldherrn statt an den Staat – wurde zum Sprengsatz für die Republik. Da die Soldaten ihr Land nach dem Dienst vom Feldherrn erwarteten, wurden Generäle zu mächtigen politischen Akteuren. In seinen späten Jahren geriet Marius in einen erbitterten, blutigen Konflikt mit seinem ehemaligen Quästor und späteren Rivalen Lucius Cornelius Sulla. Als Sulla das Kommando für den Krieg gegen Mithridates erhalten sollte, ließ Marius es ihm durch Volksbeschlüsse entziehen. Sulla reagierte radikal: Er marschierte als erster römischer Feldherr mit seinen Legionen illegal in Rom ein. Marius musste nach Afrika fliehen. Als Sulla im Osten kämpfte, kehrte Marius mit einem Heer aus Sklaven und Veteranen nach Rom zurück, nahm blutige Rache an Sullas Anhängern und ließ sich für das Jahr 86 v. Chr. zum siebten Mal zum Konsul wählen. Nur wenige Tage nach Amtsantritt starb er im Alter von 71 Jahren an einer Krankheit (vermutlich Pleuritis oder Schlaganfall). 

Ariovist

Ariovist (1. Jahrhundert v. Chr.) war ein mächtiger Heerführer und König des germanischen Stammes der Sueben. Er ist eine der bekanntesten germanischen Persönlichkeiten der Antike, da er der erste namentlich greifbare Gegenspieler von Gaius Julius Cäsar zu Beginn der Gallischen Kriege (58 v. Chr.) war. Die wichtigsten Informationen über ihn stammen fast ausschließlich aus Cäsars eigenem Werk De Bello Gallico. Entsprechend muss berücksichtigt werden, dass Cäsar Ariovist oft als tyrannisch und arrogant darstellte, um seinen eigenen Feldzug zu rechtfertigen. Um 71 v. Chr. überschritt Ariovist mit einem Heer suebischer Krieger den Rhein. Er war von den gallischen Stämmen der Sequaner und Arverner als Söldnerführer angeworben worden. Sie benötigten seine Hilfe im Kampf gegen ihren rivalisierenden Nachbarstamm, die kriegerischen Haeduer. Ariovist erfüllte den Auftrag erfolgreich und besiegte die Haeduer. Doch statt wie vereinbart nach Germanien zurückzukehren, blieb er in Gallien. Er besetzte ein Drittel des fruchtbaren Landes der Sequaner, holte immer mehr germanische Siedler nach (insgesamt wohl um die 120.000 Menschen) und baute eine eigene Herrschaft auf. Ariovist war ein geschickter Taktiker. Um sich abzusichern, suchte er den diplomatischen Kontakt zu Rom. Im Jahr 59 v. Chr. – während Cäsars Konsulat – erkannte der römische Senat Ariovist offiziell als „König und Freund des römischen Volkes“ (rex et amicus) an. Dies war eine hohe Auszeichnung, die Roms Einflussbereich sichern sollte und Ariovist formelle Legitimität im gallischen Raum verlieh. Als Cäsar 58 v. Chr. als Statthalter nach Gallien kam, riefen die unterdrückten gallischen Stämme (insbesondere die Haeduer) Rom um Hilfe gegen den germanischen „Tyrannen“. Cäsar sah darin die perfekte Gelegenheit, seinen Machtbereich auszudehnen.Cäsar forderte Ariovist auf, keine weiteren Germanen über den Rhein zu holen und die gallischen Geiseln freizulassen. Ariovist lehnte dies stolz ab: Als freier König stehe es ihm zu, mit seinen eroberten Gebieten zu tun, was er wolle; Cäsar solle sich in seine eigenen Angelegenheiten einmischen. Im Herbst 58 v. Chr. kam es zur entscheidenden Schlacht am Ochsenfeld (vermutlich im südlichen Elsass bei Mülhausen). Obwohl die Germanen in ihrer traditionellen Phalanx-Formation heftigen Widerstand leisteten, wendete der römische Offizier Publius Crassus das Blatt, indem er die dritte Linie der Legionen im richtigen Moment in die Schlacht warf. Die Germanen wurden vernichtend geschlagen. Ariovist gelang die Flucht: Er rettete sich schwer verletzt in einem kleinen Boot über den Rhein zurück nach Germanien. Ariovist verliert sich danach in den Quellen; Cäsar erwähnt lediglich beiläufig, dass er einige Jahre später (vor 54 v. Chr.) in Germanien starb, vermutlich an den Folgen seiner Verletzungen oder aus Gram.

Caesar

Gaius Julius Cäsar (100–44 v. Chr.) war einer der einflussreichsten Staatsmänner, Feldherren und Autoren der römischen Antike. Sein Name wurde zum Titel für Herrscher weltweit (Kaiser, Zar). Cäsar nutzte die von seinem angeheirateten Onkel Gaius Marius geschaffenen Heeresreformen, um mit treu ergebenen Legionen Gallien zu erobern, die römische Republik in einem Bürgerkrieg zu stürzen und sich zum Diktator auf Lebenszeit zu ernennen. Cäsar stammte aus dem alten, aber verarmten Patriziergeschlecht der Julier. Um politisch nach oben zu gelangen, musste er sich enorm verschulden. Im Jahr 60 v. Chr. schloss er ein geheimes politisches Bündnis mit den beiden mächtigsten Männern Roms: dem schwerreichen Marcus Licinius Crassus und dem erfolgreichen Feldherrn Gnaeus Pompeius Magnus. Dieses Erste Triumvirat dominierte die römische Politik und sicherte Cäsar das Konsulat für das Jahr 59 v. Chr. sowie das anschließende Kommando in Gallien.In nur knapp einem Jahrzehnt unterwarf Cäsar das gesamte freie Gallien (das heutige Frankreich, Belgien und Teile der Schweiz). Nach dem Tod von Crassus zerbrach das Triumvirat. Der Senat und Pompeius forderten Cäsar auf, sein Heer zu entlassen und als Privatmann nach Rom zurückzukehren, wo ihm politische Prozesse drohten. Cäsar weigerte sich.Am 10. Januar 49 v. Chr. überschritt er mit der 13. Legion den Grenzfluss Rubikon nach Italien. Mit den berühmten Worten „Alea iacta est“ („Der Würfel ist gefallen“) entfesselte er den Bürgerkrieg. Er jagte Pompeius bis nach Ägypten (wo Pompeius vom ägyptischen König ermordet wurde) und sicherte sich die Alleinherrschaft. In Ägypten ging er zudem eine legendäre Liebesbeziehung mit Kleopatra VII. ein, die er auf den Thron hob. Zurück in Rom wurde Cäsar schrittweise mit außergewöhnlichen Vollmachten ausgestattet, bis er sich Anfang 44 v. Chr. zum Diktator auf Lebenszeit (dictator perpetuus) ernennen ließ. Cäsars offene Missachtung republikanischer Traditionen und die Befürchtung, er wolle sich zum König krönen lassen, führten zu einer Verschwörung im Senat. Angeführt von Marcus Junius Brutus (einem engen Vertrauten Cäsars) und Gaius Cassius Longinus wurde Cäsar am 15. März 44 v. Chr. (den Iden des März) während einer Senatssitzung im Theater des Pompeius mit 23 Dolchstichen ermordet.Die Attentäter wollten die Republik retten, erreichten jedoch das Gegenteil: Der Mord stürzte Rom in neue Bürgerkriege, aus denen schließlich Cäsars Adoptivsohn Octavian (Augustus) als erster römischer Kaiser hervorging.